Rückblickend betrachtet bin ich für mich einen vielfältigen Weg gegangen, um anzukommen, wo ich heute bin. Ich durfte mich auf meinen Wegen mit mir selbst, meinem Denken, meinen Bedürfnissen und Wünschen auseinandersetzen. Es fiel mir nicht immer leicht, denn ich hatte nicht gelernt, dass letztere einen allzu relevanten Platz in meinem Leben einnehmen dürfen. Und ich war ja grundsätzlich auch zufrieden. Alles war ok. Dass ich mir mehr Freude als Pflicht in meinem Tun erlauben darf, ist mit die größte Veränderung in meinem Leben.

Ich arbeite heute als Coach mit den Schwerpunkten Mindset, dem Überprüfen der eigenen Gedanken und Perspektiven und Transformation, mit dem Ziel im Element zu sein. Ich schreibe sehr gerne, was eine neue Entdeckung in meinem Leben nach meiner Genesungsreise von der Diagnose Brustkrebs war. Über das Schreiben in meinem Gedankenraum verarbeite ich oftmals auch übergeordnete Themen, die mich beschäftigen und ich wähle die Worte und die Form des Ausdrucks, die gerade für mich passen. Ich nehme mittlerweile wahr, dass ich auch gerne spreche, bisher z.B. im Rahmen von Interviews oder Gesprächsrunden. Ich teile gerne meine Erfahrungen und mein gelerntes und intuitives Wissen.

Wenn ich auf meinen beruflichen Weg zurückblicke, so verbinde ich vor allem das Arbeiten im internationalen Umfeld mit viel Freude. Ich liebe die Welt, andere Kulturen und die Vielfalt in der Zusammenarbeit. Deshalb hatte ich früher nie das Gefühl, ich sei falsch in meinen Jobs und doch fühlte ich mich lange suchend. Wenn ich mich daran erinnere, wie ich meine Berufswahl nach dem Abitur traf, so kann ich heute über mich nur schmunzeln. Ich hatte lange die Überzeugungen und das Gefühl, dass „Arbeit verbunden mit Leistung“ schwer sein müsste. Anstrengend, auch über einen längeren Zeitraum hinweg. Dass mich etwas anstrengte, zeigte ich jedoch nie oder gestand es mir selbst nicht ein, schließlich hatte ich Kraft und Energie. Ich glaubte, dass mein Einsatz auch einen Preis haben müsse. Und auch für mein Gehalt musste ich viel geben. Geben fiel mir ganz lange sehr viel leichter als annehmen oder nehmen. Beides darf in Balance sein, aber auch das durfte ich neu lernen.

Als ich nach dem Abitur vor der Wahl eines Studiums stand, überforderte mich die Vielfalt. Ich wusste damals nicht, wohin ich gehen wollte und sollte. Da ich ein sehr gutes Abitur hatte, standen mir viele Türen offen. Das machte es jedoch nicht leichter. Denn spannend fand ich vieles. Was mich begeisterte, fragte ich mich ehrlich gesagt nicht. Begeisterung als Ziel hätte ich mir vermutlich auch gar nicht zugestanden.

Und so entschied ich mich für ein Pharmaziestudium an der FU Berlin. Wirklich. Ich bin selbst amüsiert oder immer noch überrascht, während ich das jetzt schreibe. Das passte gar nicht zu mir, Null Prozent. Meine Leistungsfächer waren Englisch, Spanisch, meine weiteren Prüfungsfächer Mathematik und Politische Weltkunde, nur mal so zum Abgleich. Diese fielen mir leicht. Bio und Chemie hatte ich irgendwann abgewählt. Aber hey, lernen kann man doch alles. Das stimmt grundsätzlich, nur mit welchem Energieeinsatz? Ich saß in einer ersten Kennenlernrunde mit vielen Forscher- und Apothekerkindern. Ich bin in einem Restaurantbetrieb groß geworden. Auch das macht keinen Unterschied, sofern man für etwas brennen sollte.

Bereits die ersten Vorlesungen waren eine Katastrophe für mich. Ich kann mich an diese elendig langen Kohleketten an der Tafel erinnern. Ich büffelte, holte mir Nachhilfe, nahm drei Kilo ab (und ich war schon recht dünn). Es gab Labortage. Wir durften Proben nach ihren chemischen Bestandteilen analysieren. Falls die Analyse falsch war, musste man freitags „nachkochen“. Ich durfte freitags immer „nachkochen“. Das einzige Element, das mir in Erinnerung geblieben ist, ist Magnesium (Mg) mit seiner Stichflamme. Ich freute mich, wenn Magnesium mit dabei war, wenigsten ein kleines Erfolgserlebnis. Ich musste früher nie Nachsitzen, Nachlernen, das war eine komplett neue Erfahrung für mich. Ich gab häufig selbst Nachhilfe während der Schulzeit.

Ich erzähle diese Geschichte an dieser Stelle etwas ausführlicher, denn die Tatsache, dass ich in diesem Studium gelandet bin und mich zumindest ein Semester lang quälte hatte auch etwas mit meiner inneren, sehr lange unbewussten Haltung und Überzeugung zu tun. Das, was ich tat, musste anspruchsvoll und schwer sein und Lernen durfte auch fordernd sein, denn alles war sowieso machbar, wenn man nur wollte. Aufgeben bedeutete Scheitern. Und Scheitern war etwas ganz Schlimmes. Damals „scheiterte“ ich, zumindest empfand ich das so. So unwirklich, wie das jetzt klingen mag, ich musste mir eingestehen, dass ich unglücklich war mit meiner Wahl. Ich musste diese Wahl aufgeben und das zehrte an mir. Sie war nicht passend für mich. Ich schob die Entscheidung vor mir her.  Als ich endlich mutig meinen Entschluss kommunizierte und meinen Laborschlüssel zurückgab, sagte mir der damalige wissenschaftliche Mitarbeiter: „Sie wissen, dass Sie dieses Studium nicht nochmals antreten dürfen, wenn Sie sich jetzt exmatrikulieren.“ Oh nein! Ein weiterer tiefer Schlag, diese drohenden Worte trafen mich sehr. Ich war an diesem Tag nur noch verzweifelt. Schuldgefühle plagten mich. Es war natürlich das Beste, was ich tun konnte. Doch, es war damals ganz und gar nicht lustig, sondern nur schrecklich. Ich durfte noch nicht mal zurück. Wie furchtbar! Der damit verbundene Schmerz war jedoch längst nicht geheilt. Er wiederholte sich und er hatte nichts mit dieser Studienwahl zu tun. Meinen Bedürfnissen nachzugehen fiel mir auch nach dieser Erfahrung nicht leicht.

Nach meinem BWL-Studium, inklusive einem inspirierenden Auslandssemester in New Orleans mit immer noch währenden Freundschaften erwartete mich die internationale Welt. Dort fühlte ich mich in der Tat auch wohl, allein der Vielfalt der Menschen und Begegnungen und der großen weiten Welt wegen. Ich bin heute immer noch dankbar, dass ich diesen beruflichen Abschnitt, davon knapp zehn Jahre im Lufthansa Konzern, gewählt habe. Doch auch hier merkte ich, dass ich auf der Suche war. Das viele berufliche Reisen fühlte sich irgendwann kräftezehrend an, die ganzen analytischen Aufgaben und Excel-Tabellen beherrschte ich zwar, das Projektmanagement auch, ich merkte jedoch nicht oder gestand es mir selbst nicht ein, dass mich die Aufgaben sehr forderten und auch Kraft kosteten. Ich wechselte drei Jobs intern, es gab viele Möglichkeiten im Konzern. Doch wirklich verändert hatte ich nicht viel.

Nach knapp fünfzehn Jahren verabschiedete ich mich aus der Konzernwelt. Einfach so. Ich wusste intuitiv, ich müsste etwas anderes verändern, ich wusste nur nicht genau was. Da auch ich damals glaubte, dass die Lösung in der äußeren Veränderung liegt statt in der Inneren, machte ich mich auf den Weg. Ohne Ziel fühlte es sich nicht wirklich gut an, aber ich hatte ja gelernt, dass es irgendwie immer weiter geht und eben nicht leicht sein konnte. Aushalten. Das konnte ich ebenfalls gut. In dieser Zeit gab es zumindest privat die beste Veränderung. Ich lernte meinen heutigen Partner und Lebensbegleiter kennen, der in jeglicher Hinsicht ein toller Unterstützer auf meinen persönlichen Wegen ist.

Thomas und ich in Brela, Kroatien im Sommer 2020

Es dauerte eine Weile, ich formte meinen Weg in die Selbständigkeit. Zunächst freiberuflich und als Beraterin. Ein kraftvoller Weg, denn ich hatte weder ein Netzwerk noch fragte ich gerne nach Unterstützung. Da war sie, eine weitere innere Haltung: du musst alles alleine schaffen. Und ich wiederholte das, was ich nicht mehr wollte. Ich war schon wieder unterwegs, erst in der Ukraine, später in Deutschland in Organisationsberatungsprojekten. Ganz entgegen meines inneren Bedürfnisses. Bildlich stellte ich mir längst vor, mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren zu können und sehr flexibel tätig zu sein. Es sollte noch ein paar Jahre dauern. Ich überging mich erneut. Überall traf ich auf nette Menschen, mit denen ich zusammenarbeiten durfte. Und ich spürte oft eine hohe Loyalität und Verbundenheit diesen gegenüber. Umso schwerer fiel es mir mich zu lösen. Endlich löste ich mich auch von meiner Beratertätigkeit Ende 2014. Innerlich gestalteten sich diese Prozesse für mich wie ein Kampf. Ich glaubte, dass ich andere enttäuschen würde, wenn ich ging, dass es mir nicht zustand, dass ich eh noch viel mehr lernen müsste, dass außerdem alles auch ok so war. Und ich glaubte noch vieles mehr, womit ich es mir selbst viel schwerer machte, als es natürlich sein musste.

Doch solange wir das nicht erkennen, was uns innerlich und überwiegend unbewusst steuert, fallen Veränderungen schwer oder wir wiederholen vieles im Außen immer wieder und hängen uns nur ein anderes Mäntelchen um. Wir verbleiben in der so genannten Komfortzone. Für mich ist die Komfortzone gar keine Komfortzone, sie ist unkomfortabel. Wenn ich dort verweile, unterwerfe ich mich meinen alten Erfahrungen und Überzeugungen und bin nicht in meiner vollen Kraft, Energie oder wie ich es gerne nenne „in meinem Element“. Letzteres bedarf Arbeit und einer Auseinandersetzung mit sich und einem klaren JA zu sich selbst. Es geht nicht um richtig oder falsch, in vielen Situationen kann oben beschriebenes auch eine Stärke sein. Es geht vielmehr darum zu erkennen, was davon für einen selbst nützlich ist und dauerhaft zu einem inneren Gleichgewicht beiträgt.

Im Rahmen vieler Aus- und Weiterbildungen, die ich seit 2010 besuchte, entwickelte ich mich weiter und lernte mehr über mein eigenes Denken und Fühlen bzw. lernte ich das Verlernen. Meine größte Veränderung brachte rückblickend meine Gesundheitserfahrung und meine Genesungsreise nach meiner Krebsdiagnose. Ich war mir und meinen Bedürfnissen plötzlich ganz nah. Meine Intuition war klar und leitete mich. Diese Reiseerfahrung war sehr prägend und brachte mich ungeplant in ein neues Leben. Ich schrieb ein Buch und erfuhr zum erste Mal, dass mir etwas leicht fiel. Wie schön. Leichtigkeit war der Begriff, den ich in vielen Yoga-Stunden jahrelang als Fokus für mich definierte und diese erschien mir nicht erreichbar.

Ein sehr guter Freund brachte mich in dieser Zeit über Literaturempfehlungen auf meinen weiteren Pfad der Spiritualität, den ich seither in meinem Leben integriere. Es gab Zeiten, da erlaubte ich mir diese Seite nicht. Denn, da war er, dieser blockierende Gedanke: Was würden andere dann über mich denken? Wir dürfen lernen all unsere Anteile, die uns ausmachen, authentisch zu integrieren, dann spielt das Urteil der anderen keine große Rolle mehr. Ganz im Gegenteil, es gibt dann gar nicht diese Urteile, vor denen einem Angst und Bange wird. Sie begleiten uns nur solange, wie wir selbst diese Angst in uns tragen und uns hinter ihr verstecken. Ängste sind somit ein guter Wegweiser für mehr Integrität.

Ich bin ein außerordentlich großer Fan von einer, wie ich sie nenne Desidentifikation von meinen Gedanken. Frei sein, nicht anhaften an dem, was ich glaube und denke, meine Gedanken überprüfen, über Bord werfen, umdeuten und vor allem das Nicht-Wissen als Ressource zu betrachten. Dies sind meine größten Lehren, die ich aus spiritueller Literatur oder Weiterbildungen und aus eigenen Coaching-Prozessen ziehe. Alles, was uns irritiert, hat zunächst etwas mit uns selbst zu tun. Eine Schuldzuweisung anderen gegenüber, eine so genannte Opferhaltung bezogen auf andere Personen oder die äußeren Umstände einzunehmen, entfällt dann meist automatisch. Das heißt im Umkehrschluss nicht, alles ertragen zu müssen, aber es heißt klar seinen Anteil zu erkennen und Verantwortung dafür zu übernehmen. Das Leben bietet uns täglich ein Lernumfeld, um obiges zu reflektieren.

Das, was ich heute tue, tue ich aus vollem Herzen und mit Leichtigkeit. Ich arbeite flexibel, mittlerweile von zwei Standorten aus (Köln und Brela in Kroatien). Ich begleite Menschen gerne in ihren beruflichen Veränderungsthemen und ich sehe sie, damit sie selbst ihre Potenziale erkennen und leben und dadurch Freude und einen für sich definierten Erfolg in ihr Leben bringen.


Heute weiß ich, dass wir uns einige Umwege ersparen können oder direkter unsere Lern- und Wachstumsprozesse angehen können, um authentisch die beste Version unserer selbst zu werden und zu sein. Ich bin überzeugt davon, dass wir dadurch für uns selbst mehr Zufriedenheit erreichen, die wir dann in Form von positiver Energie und Freude in die Welt tragen und weitergeben. Allein damit machen wir einen großen Unterschied. Deshalb lautet mein Leitsatz: Glaube nicht alles, was du denkst und sei die beste Version deiner selbst.

Beginne am besten heute dich selbst zu sehen und zu erkennen. Das ist das beste Geschenk, das du dir selbst machen kannst. Du kannst viel mehr als du denkst.

Brela, 10. Februar 2022

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