Während meiner Weiterbildung in Energie- und Bewusstseinsmedizin gab es diese besondere Partnerübung. Die Aufgabe hieß: Frage dein Gegenüber: „Wer bist du?“ Und wenn die Frage beantwortet ist, frage erneut: „Wer bist du?“ Immer wieder…bis du keine Antworten mehr erhältst. Diese Übung kann auch über Stunden oder Tage genutzt werden. Selbst in verkürzter Form fand ich sie im Rahmen meiner Weiterbildung sehr spannend und durchaus irritierend.

Als mir die Frage gestellt wurde, hatte ich plötzlich keine Antwort. Ich war still. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Die Worte kamen nicht so leicht über meine Lippen, obwohl ich doch viel zu erzählen hatte? „Wer bist du?“ wiederholte meine Übungspartnerin. Ich spürte fast eine Traurigkeit in mir aufkommen und ein Unbehagen. Ich wollte wohl etwas „Vernünftiges“ sagen. Also fing ich an mit: Ich bin Marijana, ich bin in Berlin geboren. Ich habe kroatische Wurzeln, wir hatten ein Restaurant in Berlin, dort bin ich so gesehen aufgewachsen. „Wer bist du?“ Wieder diese Stille. Was soll ich nur antworten auf diese so einfach klingende Frage? Sie überforderte mich sogar. Also fing ich an etwas zu erzählen, vermutlich etwas berufliches. Das haben wir ja gelernt. Über den beruflichen Werdegang oder den persönlichen eine Art Identität aufzubauen, mit Titeln und Erfahrungen oder auch mit materiellem Besitz. Nach dieser Übung sagte meine Übungspartnerin: „Ich hätte wirklich gerne mehr von dir gewusst.“

Partnerwechsel. Nun war ich mit der Frage dran und fühlte mich erlöst. 

Diese Übung ist nun schon einige Jahre her und sie eignet sich so wunderbar für die Einleitung einer neuen Blogreihe oder eines neuen Buches. Mal schauen, wo meine Gedanken mich hinführen. Meine Ideen dazu handeln von Identitäten und Identifikationen mit so vielem, mit Sichtbarem und Unsichtbarem. Mit dem Loslassen sowie den Unterschieden – mit und ohne. Ich nehme dich mit auf eine Reflexionsreise, um zu überprüfen, wer du bist, wer du glaubst zu sein, wer du gerne wärst und wer du vielleicht schon längst bist. Ich spreche dich direkt an und wähle deshalb aus dem Herzen das „du“ statt ein förmliches Sie und meine es genauso respektvoll. 

Wer bist du?

Köln, 28. September 2021

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