Mein Retreat – Gedicht

Im Juli 2019 nahm ich an einem einwöchigen „The Work“ Selbstliebe-Retreat von The Work Berlin teil. Eine reinigende, durchaus tiefe Auseinandersetzung mit alten, zum Teil bewussten und unbewussten Denkmustern war möglich. The Work hatte ich hier erstmalig kennengelernt. Ich  empfand die Methode als eine gnadenlos direkte und wirksame Form von gezielten Fragen und meditativen Antworten, seine selbst erschaffene Welt klarer zu sehen und zu verändern. Selbst-Beobachtungen, Gehörtes, Gesagtes und Erdachtes führten zum Ende der Woche zu meinem Gedicht über Das Ego

Das Ego – in der spirituellen Literatur beschrieben als das Getrenntsein von sich selbst oder das falsche Bild von sich selbst – beschreibe ich in Anlehnung an Gelesenes als konditionierten und unkontrollierten Geist, der unser Denken, Fühlen und Handeln überwiegend unbewusst steuert. Mit diesem konditionierten Geist können wir emotional bei uns selbst und/oder anderen Verletzungen auslösen oder Leid erzeugen, welches wir nicht bewusst wahrnehmen, verdrängen, nicht so ernst nehmen oder im schlimmsten Fall hegen und pflegen, um es dauerhaft zu erhalten. Diesen unkontrollierten, konditionierten Geist kennenzulernen und abzulegen, bedeutet Frieden mit sich und Frieden mit anderen. Und so geschah es, dass ich während des Retreats mein eigenes Ego besser erkennen und in Teilen verabschieden durfte. 

Das Ergebnis ist das Geschenk von Freude und kraftvoller Energie. 

Abschied vom Ego

Du kommst in diesen Raum, die anderen sind schon da.
Die Gedanken beginnen zu kreisen, die Bewertungen sind glasklar.
Was wird das hier? Den oder die finde ich eigen.
Du weißt es nicht, das Ego regiert bereits: Sollst du gehen oder bleiben?
Alle Be-Wertungen zeigen auch auf dich, du merkst es noch nicht. 
Sie meinen jedoch genau dich!

Du bist besser, schlechter, zu dick, zu dünn, viel cooler, wertlos, lieblos oder immer im Recht.
Das Ego wiederholt diese Platte und sie hört sich an wie echt.
Du darfst jetzt nichts sagen, das wäre peinlich.
Und wenn doch, fänden es die anderen sicher kleinlich.
Deine Geschichten sind die der anderen, die Geschichten der anderen sind die deinen.
Verrückt! Wir sind nicht getrennt, sondern weit mehr verbunden als wir meinen.

Das Worken zehrt, denn das Ego ist in großer Gefahr.
Es sagt: „Ist das anstrengend! Ab in die Flucht! 
Sonst wird mein Untergang noch wahr.“
In jeder Work, die dich berührt, bist du dir selbst so unendlich nah.
Das Ego bedient den Schmerz, das Selbst dagegen ist weich und klar.
Es wartet geduldig auf dich, heilt den Schmerz und ist immer da.

Marijana, am 05.07.2019 in Prerow – Ostsee 

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