Anfang März diesen Jahres las ich einen interessanten Artikel eines schweizer Arztes über seine Sicht auf das Pandemiemanagement. In diesem Zusammenhang verwies er u.a. auf die Arbeit der Front Line Critical Care Alliance (FLCCC), einem Zusammenschluss von US Intensivmedizinern, die seit Beginn der Pandemie ihre Erfahrungen und Therapiemöglichkeiten von Covid19 sammeln, austauschen und veröffentlichen und ein globales Netzwerk aufgebaut haben. Ich begab mich interessiert auf die Seiten der FLCCC und durchforstete ihre Historie seit letztem Jahr, erfuhr über ihre Ansätze sowie mögliche Medikamententherapien für die unterschiedlichsten Phasen der Erkrankung sowie deren Prävention. Eines erschien mir besonders relevant im Rahmen der berichteten Erfahrungen, nämlich die frühzeitige Behandlung nach einem positiven Test: „test and treat“, statt Testen und in Quarantäne auf Symptome zu warten, was ja die gängige Strategie seit Beginn dieser Pandemie ist. 

Ich war anfangs jedoch sehr skeptisch, denn ich hatte bewusst nichts über diese Erfahrungen und Ansätze – vor allem die frühe Behandlungsmöglichkeit – in den Medien gelesen oder gehört. Bekanntlich kann das Internet ja ein sehr gefährlicher Ort sein, wenn man auf der Suche nach verlässlichen Informationen ist. „Echt von unecht“ zu unterscheiden ist zunehmend anspruchsvoll und erfordert sehr viel Sorgfalt. Ich prüfte alle möglichen Quellen und wissenschaftlichen Journale und ich stellte fest, dass diese Menschen „wirklich“ existieren, Ärzte sind, die in diesem besonderen Falle Covid-Patienten intensiv betreuen und ein großes Interesse daran haben, ihre Patienten bestmöglich zu versorgen und diese Pandemie mit Lösungsansätzen wirksam mit zu beenden. Da die Ärzte sich weder gegen Impfungen stellen, pro Maske, pro Abstandsregeln und pro Behandlungsmöglichkeiten sind, stufte ich sie für mich im Bereich schulmedizinischer Informationen als seriöse Quelle ein. 

Die FLCCC erfährt mit ihrer Arbeit seit einigen Monaten enormen Widerstand seitens regulierender Behörden und nicht zuletzt der WHO. Die sozialen Medien spielen dabei eine entscheidende und einflussreiche Rolle mit, was sehr bedenklich ist. Die obigen Ärzte empfehlen seit 2020 bereits zugelassene Medikamente mit einer Umwidmung ihres ursprünglichen Nutzens (repurposed drugs). Die meisten scheinen patentfrei zu sein. Es ist ein verlockender Gedanke, wenn es für einige oder viele (?) Betroffene schon längst etwas brauchbares als Therapieangebot gäbe, auch im Hinblick auf die ganze Welt. Ich verstehe die Empfehlungen nicht als ein entweder-oder, sondern als einen weiteren Lösungsweg im globalen Pandemiemanagement, als ein sowohl-als-auch. Dennoch scheinen sich die Fronten der „Wissenden“ mehr und mehr zu verhärten, was Spekulationen und Misstrauen gegenüber involvierten Akteuren fördert, statt Verbindungen zu schaffen und einen sachlichen Diskurs zu ermöglichen. Letzterer ist uns im letzten Jahr offensichtlich auf dem Weg mehr und mehr abhanden gekommen. 

Obige Beobachtungen warfen bei mir Fragen und Erklärungsversuche in Form von Hypothesen auf. Diese reichen von Fragen rund um die medizinischen Empfehlungen über Machtkämpfe zwischen Praktikern und einer wissenschaftlichen Elite bis hin zu konkurrierenden Finanzierungsinteressen für Forschungen, Auswirkungen vorhandener Medikamente auf die Impfzulassungen oder deren Akzeptanzverlust bei möglichen Alternativen“. Hypothesen müssen falsifiziert werden, was ich als Laie in dieser Komplexität nicht leisten kann. Ich kann jedoch meine Wahrnehmung teilen und die Aufmerksamkeit auf obiges Thema richten, auch im Hinblick auf globale Lösungen. 

Durchaus auffällig ist die Zurückhaltung der Politik und der Medienlandschaft zu erfolgreichen Behandlungsmöglichkeiten von Covid19 bzw. die Rarität der Berichterstattung während dieser langen Zeit. Möglicherweise habe ich auch alle relevanten Informationen dazu komplett übersehen. Es hat sich eine Überzeugung festgesetzt, dass Covid19 für viele Fälle kaum behandelbar ist. Wir waren bislang – zumindest bis zu dem Ausrollen der Impfungen – von dem Bild geprägt, dass man im schlimmsten Fall auf der Intensivstation landet und beatmet werden muss oder stirbt bzw. lange mit den Folgen zu kämpfen hat. Von frühzeitigen Behandlungen war und ist kaum die Rede, was sowohl für Betroffene als auch für die Entlastung des Gesundheitssystems von großem Nutzen wäre. Mir fällt in diesem Zusammenhang ein Bericht aus April diesen Jahres über eine Berliner Ärztin ein (Frau Ulrike Leimer-Lipke), die ihre Covid-Patienten allesamt (über 1.000 an der Zahl) seit vielen Monaten erfolgreich früh behandelt hat. Das Stichwort lautet auch hier „früh“. Auch sie verwendet bestehende Medikamente, das klinische Bild kennend. Nicht zu unterschätzen ist dabei die Fürsorge für ihre Patienten, statt einer langen, einsamen Quarantänezeit mit möglichen Gedanken der Angst, die negative Auswirkungen auf den Körper und die Gesundheit haben können. Der Bericht über die Ärztin war sehr eindrucksvoll, doch die Erkenntnisse schienen schnell zu verhallen, offenbar auch bei uns – der zuschauenden Öffentlichkeit. 

Persönlich habe ich den Eindruck, dass sich die Arbeit der FLCCC anfangs „lediglich“ auf Erfahrungen rund um wirksame Behandlungsprotokolle konzentrierte, um nichts weniger zu tun als Leben zu retten. Sie sind möglicherweise versehentlich auf die Dynamiken und Regeln ihres eigenen Systems gestoßen, in dem sie seit Jahren agieren. Die Auswirkungen könnten jedoch tragisch sein und sie betreffen uns miteinander. Dieses Virus leistet in sehr vielen gesellschaftlichen und politischen Bereichen enorm gute Aufklärungsarbeit (s. auch ein Virus deckt auf – Teil 2). Und es fordert uns nicht nur, es fordert uns auch auf, zu entscheiden, wie wir unsere Zukunft mit gestalten möchten – in diesem Fall auch im Bereich der öffentlichen Gesundheit. Das Gesundheitswesen weist als komplexes System neben vielen wunderbaren und lebensrettenden Präventions- und Therapiemöglichkeiten auch sehr viele Widersprüchlichkeiten in Bezug auf das Patientenwohl auf. In den letzten eineinhalb Jahren der Pandemiebewältigung wurden viele gesundheitsrelevante Bereiche wie die Naturheilkunde, die Sportwissenschaften, die Psychoneuroimmunologie, die Psychologie oder die Ernährungswissenschaften komplett ausgeblendet. Und auch wir Menschen scheinen im Kollektiv mehr Interesse für vermeintlich einfache Lösungen zu haben als uns Lösungsvielfalt zu wünschen. Sonst hätten wir bereits mehr Fragen gestellt.

Als Zeitzeugin dieser sehr „besonderen Zeit“ habe ich gelernt, dass diese Pandemie nur global endet und nicht lokal oder national, deshalb sollten alle nützlichen Lösungswege auch in unserem gemeinschaftlichen Interesse sein. 

Lösungsvielfalt versus Alternativlosigkeit.

Köln, 25. Mai 2021

Kommentar verfassen