Gedanken-Raum

Das Schreiben als Ausdruck meiner Gedanken kommt in unregelmäßigen Abständen zu mir. Und so habe ich entschieden, Geschriebenes als eigene Artikel zu unterschiedlichen Themen im Gedankenraum zu teilen.

 

Interessierte sind herzlich eingeladen in diesem Raum Ideen, Inspirationen oder auch Irritationen zu entdecken.

Abschied vom Ego

Mein Retreat - Gedicht

Anfang Juli 2019 nahm ich an einem einwöchigen „The Work“ Selbstliebe-Retreat (nach Byron Katie) teil, organisiert und geleitet von den Dambeck-Schwestern aus Berlin. Eine reinigende, durchaus tiefe Auseinandersetzung mit alten, zum Teil bewussten und unbewussten Denkmustern war möglich. "The Work" empfinde ich als gnadenlos direkte und wirksame Form von gezielten Fragen und meditativen Antworten, seine selbst erschaffene Welt klar zu sehen und zu verändern. Selbst-Beobachtungen, Gehörtes, Gesagtes und Erdachtes führten zum Ende der Woche zu meinem Gedicht über Das Ego.

Das Ego - in der spirituellen Literatur beschrieben als das Getrenntsein von sich selbst oder das falsche Bild von sich selbst – beschreibe ich in Anlehnung an Gelesenes als konditionierten und unkontrollierten Geist, der unser Denken, Fühlen und Handeln überwiegend unbewusst steuert. Mit diesem konditionierten Geist können wir emotional bei uns selbst und/oder anderen Verletzungen auslösen oder Leid erzeugen, das wir nicht bewusst wahrnehmen, verdrängen, nicht so ernst nehmen oder im schlimmsten Fall hegen und pflegen, um es dauerhaft zu erhalten. Diesen unkontrollierten, konditionierten Geist kennenzulernen und abzulegen, bedeutet Frieden mit sich und Frieden mit anderen. Und so geschah es, dass ich während des Retreats mein eigenes Ego besser erkennen und in Teilen verabschieden durfte.

Das Ergebnis ist das Geschenk von Freude und kraftvoller Energie.

Das Gedicht

Abschied vom Ego

 

Du kommst in diesen Raum, die anderen sind schon da.

Die Gedanken beginnen zu kreisen, die Bewertungen sind glasklar.

Was wird das hier? Den oder die finde ich eigen.

Du weißt es nicht, das Ego regiert bereits: Sollst du gehen oder bleiben?

Alle Be-Wertungen zeigen auch auf dich, du merkst es noch nicht,

Sie meinen jedoch genau dich!

Du bist besser, schlechter, zu dick, zu dünn, viel cooler, wertlos, lieblos oder immer im Recht.

Das Ego wiederholt diese Platte und sie hört sich an wie echt.

Du darfst jetzt nichts sagen, das wäre peinlich.

Und wenn doch, fänden es die anderen sicher kleinlich.

Deine Geschichten sind die der anderen, die Geschichten der anderen sind die deinen.

Verrückt! Wir sind nicht getrennt, sondern weit mehr verbunden als wir meinen.

Das Worken zehrt, denn das Ego ist in großer Gefahr.

Es sagt: „Ist das anstrengend! Ab in die Flucht!

Sonst wird mein Untergang noch wahr.“

In jeder Work, die dich berührt, bist du dir selbst so unendlich nah. Das Ego bedient den Schmerz, das Selbst dagegen ist weich und klar.

Es wartet geduldig auf dich, heilt den Schmerz und ist immer da.

Marijana, am 05.07.2019 in Prerow – Ostsee

Vom Klimasünder und Klimakiller zum bewussten Ressourcenschoner!

BewusstSein: bewusst entscheiden - bewusst handeln - sich bewusst sein

 

Ich habe mich mit dem großen Thema Klimawandel in den letzten Monaten häufig beschäftigt und bin zu nachfolgenden Gedanken und Resümees gekommen, die übergreifend auch in Verbindung stehen mit einem neuen BewusstSein: wir können bewusst handeln, bewusst entscheiden und uns unserer selbst bewusst sein oder Schritt für Schritt werden. Dann würde alles andere automatisch folgen.

Lesen Sie gerne selbst.

 

Das Thema Klimawandel ist seit vielen Monaten eines der prägenden Themen in den Medien. Die Diskussion wird nicht mehr im kleinen Kreis von Fachleuten geführt, sondern in der breiten Öffentlichkeit. Prägend in der Berichterstattung sind vor allem Begriffe wie Klimakiller oder Klimasünder, häufig verwendet, wenn es um individuelles Verhalten geht. Rein sprachlich wirken diese Worte höchst moralisierend und mit erhobenem Zeigefinger auf alle und in alle Richtungen zeigend. In den sozialen Medien finden sich gegenseitige Beschimpfungen wieder oder Kommentare derjeniger, die schon lange alles „richtig“ machen, vorwurfsvoll an den Rest gerichtet oder all derer, die auf Engagierte schimpfen und vieles mehr. Ausnahmen bestätigen selbstverständlich die hier allgemein gewählten Formulierungen.

 

Darf man noch Fleisch essen, in ein Flugzeug steigen, ein Auto besitzen, Avocados kaufen oder Mandelmilch trinken? Die mahnenden Worte lassen uns in dogmatischen Kategorien in nahezu allen Lebensbereichen denken und wir können überlegen, ob wir selbst zu den Guten oder den Schlechten der anthropogenen Sünder oder eher Retter gehören. Diese Rhetorik und Einteilung in gut oder schlecht spaltet eher, als dass sie verbindet oder für einen Wandel begeistert. Dieser Wandel unterscheidet sich m.E. von anderen gesellschaftlichen Veränderungen, denn er umfasst alle Bereiche des Lebens und betrifft damit auch alle miteinander, statt einzelne Gruppierungen. Um es mit den Worten des Soziologen Ulrich Beck zusammenzufassen: Not ist hierarchisch, Smog aber ist demokratisch, denn letzterer meint uns alle.

 

Ich habe mich selbst dabei ertappt mich zu ermahnen, noch nicht genug zu tun, mich gar schlecht zu fühlen als ich mein eigenes Verhalten in Bezug auf das Thema Klimawandel begann zu reflektieren. Ich las und lese immer noch zahlreiche Artikel, angefangen von der Reportage „Losing Earth“ im New York Times Magazine, die die politischen Entscheidungen bezogen auf die Umweltpolitik (vor allem der USA) der letzten Jahrzehnte detailliert skizziert bis zu Diskussionen, ob die Hockeyschlägerkurve zu Temperaturveränderungen und globaler Erwärmung nun korrekt oder manipuliert und alles nur ein „politischer Klimaschwandel“ sei.

 

Die eigenen Hochs und Tiefs zu den Einschätzungen: „Wir zerstören die Erde, so kann das nicht weitergehen“, haben mich mittlerweile dazu gebracht eine eigene Haltung zu entwickeln und zu äußern, die das eigene Bewusstsein fördert statt mit moralischem Zeigefinger mir selbst oder anderen gegenüberzutreten. Die Stimme einer Bürgerin Deutschlands, die sich zwischen ersten Anzeichen von Ermüdung, Enthusiasmus und bewusster Gelassenheit in Bezug auf notwendige Veränderungen bewegt.

 

Nachfolgend finden Sie meine Aussagen und Zusammenfassungen.

  • AUSSAGE 1        Wir Menschen können die Erde nicht zerstören!

    Diese Aussage klingt angesichts der zerstörerischen Bilder natürlich höchst provokativ. Sie ist jedoch alles andere als provokativ gemeint. Denn, die Erde kann für ihr eigenes Gleichgewicht sorgen und es wiederherstellen, wie auch immer dieses angesichts der vielen Szenarien in Zukunft aussehen wird. Sie existiert ja auch schon ewig und existierte bereits eine ewig lange Zeit ohne uns. Wir Menschen sind jedoch abhängig von den Ressourcen der Erde, so dass wir letztendlich nicht der Erde, sondern vor allem uns selbst und anderen Lebewesen schaden. Dass wir dieses in höchstem Maße bereits seit langem tun, muss nicht mehr ausführlich erläutert werden: Die beobachtbaren Phänomene des Artensterbens, die wahrnehmbaren extremeren Wetterveränderungen, das Vermüllen der Ozeane, die verdreckte Luft, v.a. in vielen Großstädten der Welt sind nur wenige Bilder, die belegen, dass wir Menschen nicht freundlich mit unserer Ressource Erde umgehen und absurderweise vor allem nicht mit uns selbst. Denn wir Menschen trinken das verunreinigte Wasser oder ernten aus schadstoffhaltigen Böden (Schlagwort z.B. Nitrat, Pestizide, Plastik), essen Meerestiere, die mittlerweile voller Mikroplastik sind, essen Fleisch, das voller Antibiotika und Wachstumshormone der hochgezüchteten Tiere steckt und atmen den Smog in der Luft, den wir selbst durch unseren Energiebedarf und unsere Mobilität sowie unseren Konsum mit fabrizieren. Und, weil wir Menschen es u.a. weiterhin auch bequem und schnelllebig haben wollen und uns die Verbindung zur Natur verloren gegangen ist, soll sich angesichts der Bilder eigentlich ja schon was ändern, aber vielleicht auch erst später und nicht für einen selbst spürbar oder andere sollten erst mal was tun oder wir warten, bis die moderne Technologie alles „rettet“.

     

    Fazit: Paradoxe Verhaltensmuster gehören zum Status Quo.

     

  • AUSSAGE 2        Bio ist auch nicht die Lösung!

    Wie bitte? Vor einem Jahr besuchte ich eine Nachhaltigkeitsmesse und lernte von vielen Unternehmen, dass sie fairen Handel, ökologische Landwirtschaft und nachhaltig hergestellte Produkte seit vielen Jahren oder Jahrzehnten bereits als selbstverständliches Geschäftsmodell etabliert haben. Ich lernte einiges Neues über die maßlose Umweltverschmutzung durch die Textilindustrie und die unfassbar hohe Menge an Kleidung, die wir in den westlichen Industrienationen konsumieren oder einfach wegwerfen und damit ungeahnte große auch giftige Müllhalden mit produzieren. Ich war inspiriert von vielen Produkten und innovativen Ideen. Im Nachgang kam mir jedoch der zweifelnde Gedanke, dass, wenn wir unseren kompletten Konsum1:1 (bezogen auf die führenden Industrienationen) von heute auf morgen auf - vereinfacht gesagt - „Bio“ umstellen würden, dieses vermutlich nicht funktionieren würde und wir die Ressourcen der Erde ebenfalls erschöpfen würden. Es ist eine ungeprüfte Hypothese. Ich kann mir nur nicht vorstellen, dass wir den Überfluss unseres modernen „Lifestyles“ aus nachhaltigen Quellen ressourcenschonend decken können. Aus meiner Sicht machen die gleiche Menge an Kleidungsstücken (neben dem Zuviel an Angeboten vor allem auch die aussortierten bzw. weggeworfenen) aus „Biobaumwolle“, die gleiche Menge an Nahrungsmittelverschwendung - nur dann eben „Bio“ – die gleiche Anzahl an Autos – nur dann eben „Elektro“ – nicht den notwendigen Unterschied. Hinzu kommt, dass nicht geschützte (Bio) Zertifikate, zum Teil selbst vergeben, das Image der Unternehmen aufpolieren und weniger die verbrauchten Ressourcen schonen, sondern vielmehr auch ein Geschäftsmodell beinhalten. Für Konsumenten ist das Navigieren in diesem Dschungel recht unübersichtlich und nahezu unmöglich.

     

    Fazit: Es braucht ein Weniger und ein bewusstes Anders.

  • AUSSAGE 3        Geiz ist geil ist out!

    Der Preis darf nicht mehr das entscheidende Kriterium für all unsere Konsumentscheidungen sein! Zumindest solange die bestehenden Marktmechanismen die Preise regeln: Mengenaktionen für Kleidung (Kauf im Kilo), Black Friday Aktionen oder Reiseangebote zu Schnäppchenpreisen wirken in der heutigen Zeit nahezu absurd statt einladend, auf mich zumindest. Einen Mehrkonsum preislich zu belohnen, klingt angesichts der globalen Ressourcenverschwendung paradox. Erklärbar sind diese Phänomene: unregulierte Märkte, eine global vernetzte Welt, Arbeitsplätze, Wohlstand und Lebensstandards, die u.a. an Marktanteile und Wachstum gekoppelt sind, fördern obiges Handeln. Unerwähnt lasse ich an dieser Stelle die gesellschaftlichen Kosten dieses erstrebenswerten Lebensstandards für andere Teile der Welt.

    Zurück zur Preisfrage: Es darf nicht vergessen werden, dass ein ressourcenschonender Konsum häufig für den Endverbraucher teurer ist als der konventionelle wie z.B. Bio- Lebensmittel aus der Region und vom Wochenmarkt, GOTS (global organic textile standard) zertifizierte Kleidung, Strom aus regenerativen Energien, u.v.m. Es müsste genau umgekehrt sein, Ressourcenschonung sollte belohnt werden! Die heutige Praxis  benachteiligt jedoch Menschen mit niedrigen Einkommen oder auch kleine Unternehmen sich bereitwillig beteiligen zu können. Und bekanntlich ist die Gruppe der von Armut und Ausgrenzung betroffenen Bevölkerungsgruppen für ein reiches Land wie Deutschland mit 15,5 Mio. Menschen oder 19% sehr hoch (Quelle: Pressemitteilung Statistisches Bundesamt vom 31.10.2018). Viele haben jedoch eine Wahl.

     

    Fazit: Bewusste (Konsum)Entscheidungen können viele von uns – wenn nicht sogar alle für bestimmte Lebensbereiche - täglich treffen und Zeichen setzen.

  • AUSSAGE 4        Wer auf andere mit ausgestrecktem Zeigefinger zeigt...

    der deutet mit drei Fingern seiner Hand auf sich selbst!

     

    Stichwort Fingerpointing versus Eigenverantwortung! Es gibt auf individueller Ebene genügend Gründe als engagierter „Retter“ zu verzweifeln. Wenn aktuell auf der Welt die Anzahl neuer Kohlekraftwerke ansteigt (Quelle: Handelsblatt: ...doch weltweit boomt die Kohle vom 04.10.2018) und der Energiesektor einen der treibenden Bereiche für die anthropogene Erdverschmutzung und -erhitzung darstellt, dann kann man seinem unverpackten Einkauf im Stoffbeutel manchmal mit Frust begegnen. Viele weitere Beispiele aus dem Rest der Welt können durchaus entmutigend wirken, je nachdem wo man seine Aufmerksamkeit hinrichtet. Denn das Thema Erderhitzung und Umweltverschmutzung hat nicht überall die gleiche Relevanz. Je nach Land und Struktur, politischer und wirtschaftlicher Situation haben die Gesellschaften oftmals andere für sie relevante und zum Teil überlebenswichtige Themen, wie u.a. Krieg und Vertreibung, hohe Arbeitslosigkeit, korrupte politische Systeme. Oder, das Thema wird einfach von der politischen Agenda gestrichen. Dennoch, ein Warten auf alle anderen kann auch nicht die Lösung sein. Mit Freude statt mit Frust können Einzelne für sich selbst, als Unternehmer in Organisationen, als Konsumenten und Wähler durchaus wirksam sein und gesellschaftliche Veränderungen mit anstoßen.

     

    Fazit: Eigenverantwortung: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt“, diese weisen Worte Gandhis behalten ihre Gültigkeit.

     

  • AUSSAGE 5       Jede Krise birgt auch neue Chancen - vom Problem zur Lösung!

    Auch wenn dieser Satz etwas platt klingen mag, Krisen fördern neue Lösungsideen. Als Beispiele seien genannt: Bestimmte Kunststoffe können bereits heute schon zu 100% für ein System der geschlossenen Kreislaufwirtschaft recycelt werden, auch wenn unsere Recyclingquoten angesichts der langjährigen Mülltrennungspraxis weiterhin erschreckend niedrig sein sollen. Die Vermeidung von Verpackungen im Alltag sind dem m.E. immer noch vorzuziehen. Im Alltagsbereich erfreuen sich Upcycling-Ideen, ob im Textilbereich oder auch bei Möbeln, großer Beliebtheit – ok, unsere Großeltern würden das Ganze nicht Upcycling sondern Nutzen und Reparieren statt Wegwerfen und Neu kaufen nennen. Die Verwendung alt bewährter Hausmittel und Kernseife statt zahlreicher bunt verpackter Reinigungsmittel, um einige Alltagsbeispiele zu nennen. Früher war eben doch einiges einfacher und dadurch besser für Mensch und Umwelt. Die Verarbeitung von Plastikmüll zu Textilfasern oder so genannte „nachhaltige Festivals“ wie kürzlich in Paris, die die Rahmenbedingungen für weniger Müll und mehr Bewusstsein fördern, sind weitere Beispiele dafür, dass ein Umdenken längst im Gange ist und Kreativität sichtbar ist. Ganz zu schweigen von den regenerativen Energien, die längst nicht mehr ein Nischenprodukt darstellen. Diese Themen gehen häufig angesichts der erschreckenden Berichterstattung unter. Sicher stellen sie in der globalen Betrachtung nur einen Tropfen auf den heißen Stein dar. Dennoch:

     

    Fazit: Menschen sind in der Lage und bereit ihr Verhalten zu verändern und Neues zu denken und zu erschaffen. Gesellschaftlicher Wandel dauert seine Zeit, auch wenn uns gesagt wird, wir hätten keine Zeit mehr. Nur, wie gestalten wir Veränderung über Nacht?

  • AUSSAGE 6       Nur mit Regulierungen sind breite wirksame Maßnahmen (schneller) umsetzbar!

    Häufig wird über die Gesamtverantwortung des Einzelnen in Bezug auf Klimaschutz debattiert. Diese allein auf Individuen abzuwälzen – gerne mit der Berechnung des individuellen CO2- Fußabdrucks als Steuerungsgröße - halte ich bei allen Aufrufen zu individuellem Engagement für unseriös und zu einfach. Die großen Hebel liegen woanders.

    Vielleicht erinnern sich einige Leser noch an die Zeit der eingeführten Anschnallpflicht im Auto in den 70-er Jahren, auch wenn dies ein themenfremdes Beispiel ist. Die schnelle Umsetzung war rückblickend nur durch strikte Gesetze und Geldbußen möglich. Damals wollte doch kaum jemand seine „Freiheit im Auto“ aufgeben, ähnlich dem heute viel diskutierten Tempolimit. Trotz sachlich vernünftiger Argumente zum Schutz des Lebens.

    Über gesetzliche Rahmenbedingungen und Steuerungsmechanismen gibt es Möglichkeiten vor allem die Akteure der Wirtschaft (die Märkte) und damit auch uns Konsumenten „zur ressourcenschonenden Vernunft“ zu bringen. Und genau das ist die Aufgabe der Politik, die in den Augen der Beobachter langsam und nicht entscheidungsfreudig erscheint. Es scheint grundsätzlich ein Interesse zu geben, nur bitte ohne größere Veränderungen oder gar Verzicht, oder? Jedoch ist die Politik auch nur ein Spiegel der Bereitschaft in der Gesellschaft und vor allem der Wirtschaft und sie zeigt mit ihrem Zögern, wer die Regeln vorgibt.

     

    Fazit: Individuen können die Politik in Bewegung bringen. Stéphane Hessel ermunterte uns noch im hohen Alter mit seinem Büchlein: Empört euch! Anders gesagt: Organisiert euch und beginnt zu handeln! Die Lösungen liegen in Kompromissen, dafür steht Demokratie.

  • AUSSAGE 7       Wir kümmern uns heute um unsere Zukunftsfähigkeit!

    Wir können die Vergangenheit nicht ändern, sondern haben die Wahl und die Möglichkeit heute für die Zukunftsfähigkeit unserer Überlebensressource – der Erde - zu sorgen. Den Generationen der Nachkriegszeit, die mit Wiederaufbau, der Etablierung unserer Demokratie und der Gestaltung einer offenen Gesellschaft zu tun hatte, sollten wir zutiefst dankbar sein, auch für mehr als 70 Jahre Frieden in den meisten Regionen Europas. Das wirtschaftliche Wachstum sorgte für einen gesellschaftlichen Wohlstand in unseren Breitengraden, der uns Kindern und Enkeln der Nachkriegsgeneration vieles ermöglichte. Die Vorwürfe „Ihr seid schuld“ an dem heutigen Elend halte ich für wenig nützlich (s. auch Aussage 4: Fingerpointing) und rückwärtsgerichtet statt nach vorne gerichtet.

     

    Fazit: Heute stehen wir – alt und jung gemeinsam - vor der Aufgabe unsere Lebenswelten und damit einhergehend auch uns selbst - wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

  • AUSSAGE 8       Wir brauchen eine neue übergreifende Sinndimension als Grundlage allen Handelns!

    Eine ressourcenschonende oder nachhaltige Sinndimension (auf Begrifflichkeiten kann man sich einigen) in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens ist erforderlich. Das heißt konkret: Die Wirtschaft verfolgt weiterhin Gewinn vs. Verlust bzw. die Liquiditätssicherung als Sinndimension ihres Handelns, jedoch übergeordnet steht die der Ressourcenschonung. Kleinere und mittlere Unternehmen verpflichten sich bereits freiwillig zu anderen Zielen als der reinen Gewinnmaximierung und engagieren sich über Gewinnanteile an ökologischen Projekten oder haben eine sozial-ökologische Wertschöpfung zur Grundlage ihrer Geschäftsmodelle gemacht. Dies zeigt, dass es längst möglich ist, jedoch noch im Nischenbereich, statt in der Masse sichtbar ist.

    Wirtschaftlich agierende (große) Organisationen werden weiterhin für ungebremstes Wachstum und Gewinnsteigerungen belohnt (s. Börse), auch auf Kosten der Erschöpfung natürlicher Ressourcen. Dies ist dauerhaft nicht mehr sinnvoll (ungeachtet dessen, ob es das je wirklich war). Folgenden Spiegel dürfen wir uns dabei jedoch vorhalten: Die Wirtschaft bedient die Bedürfnisse der Gesellschaft, so dass es auch hier nicht nur die einen „Schuldigen“ gibt, denn Konsumenten als Teil der Gesellschaft konsumieren, was produziert wird und fragen das Produzierte nach. Die Politik lässt es in der bestehenden Form zu. Alles hängt mit allem zusammen.

    Unter obigen Rahmenbedingungen wird die Politik die bestehende Orientierung ihres Handelns basierend auf Machterhalt vs. Machtverlust an ressourcenschonenden Maßnahmen messen lassen müssen.

     

    Fazit: Ressourcenschonung sollte eine Selbstverständlichkeit sein, statt eine zuweilen kostspielige Ausnahme.

  • Gesamtfazit

    Gesamtfazit:

    Unabhängig davon, ob wir Menschen das Klima „wirklich retten“ können, die Debatte nutzt uns für ein neues und breites Bewusstsein im Umgang mit unseren so selbstverständlich erscheinenden verfügbaren natürlichen Ressourcen. Denn verbrauchen tun wir immer! Die Frage ist nur in welchen Mengen, in welcher Form und mit welchen Folgen?

     

    Der Dalai Lama sagt in seinem Buch, Ethik sei wichtiger als Religion. Ich ergänze Respekt und verstehe die gewählte Formulierung der Ethik als übergeordnete Verständigung von Glaubensrichtungen, damit Menschen friedlich miteinander und nebeneinander leben können. In Analogie zum Vorschlag des Dalai Lama birgt eine Verständigung auf ein übergeordnetes ressourcenschonendes Handeln Chancen von gemeinsamen sinnvollen Lösungsideen.

     

    Wir ersetzen zu Recht massenhaft Coffee-to-Go Einwegbecher durch Mehrwegbecher. Jedoch stelle ich mir auch die Frage, warum wir Menschen den Coffee-to-go (hier nur symbolisch als Beispiel gemeint) nicht in Ruhe trinken können, ohne ihn mitzunehmen. Wieso nehmen wir uns nicht die Zeit zum Essen und Trinken, statt es unterwegs zu integrieren und vermeintlich Zeit zu sparen, von der es immer zu wenig zu geben scheint. Ablenkung statt Innehalten!

     

          Vielleicht liegt allein in der Haltung des Innehaltens der Schlüssel zur Veränderung.

     

    BewusstSein! bewusst entscheiden - bewusst handeln - sich bewusst sein

Reisezeit

Ein neuer Blick auf Reise-Zeit

Kürzlich bin ich mit dem Zug von Split nach Köln gereist. Es war eine bewusste Entscheidung, diese bestehende Verbindung zu testen. Ein Experiment. Denn bisher bin ich direkt geflogen oder wir sind mit dem Auto gefahren.

 

Meine Reisezeit für die Strecke Split – Köln (via Zagreb und München) mit dem Zug betrug rund 30 Stunden, mit einer bewusst eingeplanten Unterbrechung von fünf Stunden in Zagreb, um langjährige Freunde der Familie zu besuchen.

Sind 30 Stunden lang oder kurz?

Lässt man die Bewertung weg, sind 30 Stunden eben 30 Stunden.

 

Von Thomas, meinem Partner und Lebensbegleiter habe ich für mich vor Jahren gelernt, dass eine Urlaubsreise in dem Moment beginnt, wenn wir Zuhause die Haustür schließen und nicht erst nach Ankunft am Zielort. Letzteres ist das allgemein gültige Verständnis, oft verbunden mit Packstress, Ärger bei Staus, Verspätungen und Gedanken über

das Morgen. Wir reisen meist einer imaginären Zukunft am Zielort hinterher, bevor es überhaupt losgeht. Mit Thomas‘ Haltung ist es anders: ein achtsames Reisen. Vergleiche ich nun die Reisezeit mit anderen Verkehrsmitteln, so ist die obige Zeit - von Tür zu Tür - ungefähr doppelt so lang wie mit dem Auto oder rund fünf Mal so lang wie mit dem Flugzeug, eine Planmäßigkeit unterstellt.


Was habe ich durch diese Reise gewonnen?

Was habe ich durch diese Reise verloren?

Zeit?

Wirklich?

Im Vergleich bin ich langsamer gereist und habe einiges Neues entdeckt. Es war wie eine Zeitreise auf der ersten Verbindung von Split nach Zagreb. Die Zwischenhalte in kleinen Dörfern erschienen wie aus einer anderen Zeit.

Die Unterschiede im Landschaftsbild auf einer rund 400 km langen Strecke waren wunderbar: vom Meer über bergige, karstige Gegenden bis hin zu dichten Wäldern und Flüssen durch kaum besiedelte Teile des Landes. Aus dem langsam fahrenden Zug konnte ich alles beobachten und war begeistert von der Vielfalt.

Der Zug mit Neigetechnik ist vergleichbar mit einem Regionalzug. Für Verpflegung muss man selbst sorgen, Toiletten sind im Zug, die Fahrt ist ruckelig, die Komfortstufe „Basic“, im Vergleich zu Deutschland, nicht Indien. Die ruckelige Fahrt lässt schnell auf eine sehr veraltete Infrastruktur schließen, was mir vor Reiseantritt durchaus bewusst war.

In Zagreb angekommen, erfreute ich mich direkt im Zentrum der Stadt an der wunderschönen Architektur vieler Gebäude. Die Großstadt mit Taxis, Autos, Straßenbahnen und Lebendigkeit begrüßte mich. Nach meinem Besuch von lieben Menschen, die ich ewig nicht mehr gesehen hatte, fuhr ich gut gesättigt - das versteht sich von selbst in diesem Land - zum Bahnhof.

Abends folgte nun die gut neunstündige Fahrt mit dem Nachtzug in Richtung München. Als ich den Zug sah, dachte ich kurz: Oh ein kleines „Züglein“, drei Waggons, das war‘s.

Ich bezog also meinen Schlafwagen. Ich gönnte mir den „Luxus“ für ein Einzelabteil und war recht froh über meine Wahl.  Nach der ersten Grenzkontrolle in Slowenien gesellte ich mich am so genannten Tresen dem Schaffner und wir unterhielten uns eine Weile. Der  Tresen im Zug war ein Mini-Tresen, dahinter ein kleiner Kühlschrank mit Getränken gefüllt, alles auf ca. 1qm Fläche.

Ein repräsentatives Reisebistro für eine neun-stündige Fahrt, dachte ich und schmunzelte. Man verstand das eigene Wort zum Teil kaum, weil das Quietschen und Rauschen auf den (weiterhin alten) Gleisen seine Lautstärke entwickelte.

 

Bald entschied ich mich für meine Nachtruhe. Wie sollte ich bei dem Lärm nur schlafen? Lass diese Gedanken doch einfach sein und leg dich hin, sagte ich mir. Ich schlief irgendwann tatsächlich ein und hört erst früh morgens Schritte im Waggon. Ein energisches Klopfen an meiner Tür, die Bundespolizei machte ihren derzeitigen Job am Hauptbahnhof in Salzburg: Ausweiskontrolle. Der Polizist wünschte mir weiterhin eine gute Nachtruhe und tatsächlich schlief ich bis kurz nach fünf Uhr. Bald gibt’s ja Frühstück, also machte ich mich parat. Um kurz vor halb sieben sollten wir auch in München sein.

Das Frühstück wurde von dem freundlichen Schaffner serviert. Ein ungesundes lang haltbares verpacktes Schokohörnchen sowie so eine Art Hamburger-Brötchen, Butter und Marmelade, ein Tee und Orangensaft. Ok, es ist wie es ist. Lecker ist anders. Die Fahrt ging zu Ende, der Schaffner sagte zu mir, ich solle doch wieder mit dem Zug fahren und wiederkommen. Ok, ich schaue mal. Dankeschön und Tschüss.

Der ICE nach Köln fuhr bald, ich fand einen Platz und freute mich. Denn in guten vier Stunden sollte ich Zuhause ankommen. Im ICE stufte ich die Komfortstufe in der 2. Klasse im Vergleich bereits auf Luxus ein. Ich holte mir einen Milchkaffee im Bistro und mir fiel direkt auf, dass bei einer rasenden Geschwindigkeit die Geräusche hier kaum hörbar waren. Das war mir bisher nicht bewusst gewesen, denn es war ja „normal“ für mich. Die so schönen Landschaften von Bayern bis nach Nordrhein-Westfalen flogen an mir vorbei.

Ich genoss nun die Schnelligkeit. Ich reiste – obwohl so nah beieinander – in zwei sehr verschiedenen Welten.

 

Habe ich nun Zeit verloren oder gewonnen? Die Eindrücke waren so vielfältig, die 30 Stunden verflogen. Die ganze Rückreise mit dem Zug fühlte sich an wie eine eigene Reise. Ganz anders. Alles hat funktioniert, eben mit allen wahrgenommenen Unterschieden. Entschleunigung, Einfachheit und Vielfalt versus Schnelligkeit, Bequemlichkeit und Pragmatismus.

Ab nun habe ich eine weitere Wahl.

 

Köln, September 2019

Marijana Brdar

mb(at)marijanabrdar.de

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